Was zeichnet Coaching aus
(gegenüber anderen Formen der Beratung)?

Routiniertes Denken ablegen

Coa­ching ist eine Form der Bera­tung, bei der ein Thema, etwa ein Kon­flikt, reflek­tiert wird. Was heißt das?

Refle­xion ist ein “mehr­per­spek­ti­vi­sches Erken­nen”. Das Thema wird also mit Hilfe unter­schied­li­cher Sicht­wei­sen, d.h. mit unter­schied­li­chen Wahr­­neh­­mungs- und Bewer­tungs­mus­tern unter­sucht bzw. betrachtet.

Es ent­wi­ckelt sich nicht nur ein tie­fe­res Ver­ste­hen. Ein sol­ches Arbei­ten bewirkt auch das Erken­nen der eige­nen Wahr­­neh­­mungs- und Bewer­tungs­mus­ter. Sie fil­tern alles in inter­es­sant / unin­ter­es­sant, rich­tig / falsch und geben so mei­nem Leben eine bestimmte Richtung.

Im Gegen­satz zur Refle­xion durch Gesprä­che mit sich selbst oder mit Freun­den liegt der Bera­tung dabei ein bestimm­ter Pro­­­zess- und Struk­tur­cha­rak­ter zugrunde. Es ist nicht ein Ein­übung von Ver­hal­tens­wei­sen (Trai­ning) oder die Ver­mitt­lung von Wis­sen (klas­si­sche Bera­tung), auch wenn es hier Über­schnei­dun­gen gibt.

Feedback

Zwar erhal­ten wir im Leben Feed­back – etwa von unse­ren Gesprächs­part­nern durch Ges­ten und Reak­tio­nen. Aller­dings deu­ten wir es häu­fig so, dass wir unser Selbst­bild bestä­ti­gen oder zumin­dest nicht gefähr­den. Und begeg­nen wir ande­ren, wol­len wir sie nicht ver­let­zen oder das Ver­hält­nis zu ihnen mög­li­cher­weise belasten. 

Wir wis­sen also auch des­halb in bestimm­ter Hin­sicht wenig über uns selbst, weil wir kaum Kennt­nis dar­über haben, wie uns unsere Mit­men­schen wahrnehmen. 

Da zwi­schen Coach und Kli­ent keine Abhän­gig­keits­ver­hält­nisse bestehen, kön­nen hier beide auf­ge­schlos­sen und frei sein.

die Rollen des Coach

Infor­ma­tio­nen sam­meln, das Gespräch för­dern, Initia­tor zur Selbst­re­fle­xion, Wege in Frage stel­len und mög­li­che andere auf­zei­gen, ver­han­deln u. ver­mit­teln, kom­bi­nie­ren, Feed­back geben, kon­fron­tie­ren und (immer) unterstützen.

das subjektive Erleben des Klienten

.. steht im Mit­tel­punkt, da man sich nur von sei­nem jet­zi­gen Stand­punkt aus wei­ter­ent­wi­ckeln kann. Man bringt sich ganz­heit­lich, also auch mit sei­nen Wahr­neh­mungs­mus­tern und Gefüh­len ein (und bei­spiels­weise nicht nur mit sei­nem Han­deln wie bei einem Ver­kaufs­trai­ning). So kann sich der Kli­ent inner­halb des Bera­tungs­pro­zes­ses selbst erfahren.

Die Beziehung zwischen Coach und Klient

ist ein wei­te­res wich­ti­ges Merk­mal, denn Erken­nen ist von der jewei­li­gen (Bearbeitungs-)Situation abhängig. 

  • per­so­nale Begeg­nung: Coach und Kli­ent begeg­nen sich in ers­ter Linie nicht als Ver­tre­ter bestimm­ter Rol­len, son­dern als Indi­vi­duen, deren Ganz­heit­lich­keit, Geschichte und Ein­zig­ar­tig­keit Aus­druck fin­den soll.
  • Offen­heit und Emp­fäng­lich­keit: Coach und Kli­ent brin­gen sich als lern­be­dürf­tig und lern­in­ter­es­siert ein.
  • Trag­fä­hig­keit: ent­steht durch Ver­trauen zwi­schen Coach und Klient.
  • Gleich­ge­wicht: Äuße­run­gen und Sicht­wei­sen sind gleich­wer­tig und wer­den mit gegen­sei­ti­ger Wert­schät­zung behandelt.

Coaching und Supervision

Coa­ching ist der Super­vi­sion sehr ähn­lich, sie basie­ren auf dem glei­chen Ver­fah­ren. Der Begriff Coa­ching ist ent­stan­den, als Super­vi­sion zuneh­mend auch in der Wirt­schaft ein­ge­setzt wurde. Denn Super­vi­sion wird typi­scher­weise im sozia­len, medi­zi­ni­schen und the­ra­peu­ti­schen Bereich genutzt, also von Sozi­al­ar­bei­tern, Sozi­al­päd­ago­gen, Erzie­hern, Pfle­ge­kräf­ten, Ärz­ten und Psychotherapeuten.

Aller­dings ist Coa­ching schon seit län­ge­rem ein schil­lern­der Begriff, weil damit auch Ange­bote eti­ket­tiert wer­den, die mit Coa­ching bzw. Super­vi­sion wenig zu haben (etwa wenn von Online-Selbst­­co­a­ching gespro­chen wird).

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