Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Nor­male aus sei­nen Erfah­run­gen und der Dumme weiß alles besser.
Sokra­tes

Sehnsucht nach mehr

Sie ken­nen sicher­lich auch die groß­ar­ti­gen Kon­zepte, bei denen schon alle wäh­rend der Prä­sen­ta­tion wis­sen, dass sie nichts ändern und alles beim Alten bleibt. Oder Rhe­to­rik­se­mi­nare, die glau­ben machen wol­len, dass Sprech­pau­sen oder bestimmte Fuß­stel­lun­gen aus Ihnen einen groß­ar­ti­gen Red­ner machen. Und die Glücks­bü­cher, die einen ein­fa­chen Weg zum Glück ver­spre­chen. Wie gelingt also echte Entwicklung?

verschiedene Perspektiven: Bereicherung oder Bedrohung?

Ein Bei­spiel: Seit eini­gen Jah­ren ent­wi­ckelt sich in vie­len Län­dern eine starke Pola­ri­sie­rung in zen­tra­len gesell­schaft­li­chen Fra­gen. Werte, die wir der Auf­klä­rung ver­dan­ken, sind wie­der bedroht: Frei­heit, Skep­sis und offene Debatte. Woher kommt der Drang, Per­spek­ti­ven bekämp­fen oder Men­schen mit aller Macht ver­än­dern zu wol­len? Eine ame­ri­ka­ni­sche Stu­den­tin sagt dazu:

Ich wün­sche mir mehr Offen­heit, damit jeder für sich selbst ent­schei­den kann. Diese Frei­heit wol­len viele ande­ren nicht geben.
Alexa Basu­aldo (aus: Ame­rika vor der Wahl, phoe­nix v. 02.11.20)

Der Gegen­ent­wurf ist gekenn­zeich­net durch den Wunsch, sich zu erwei­tern. Man möchte sich mit unter­schied­li­chen Dis­zi­pli­nen und Posi­tio­nen aus­ein­an­der­set­zen, um davon zu ler­nen. Zunächst geht es also gar nicht um rich­tig oder falsch, son­dern um ein Zulas­sen und um eine Aus­ein­an­der­set­zung, damit sich das für den eige­nen Weg Hilf­rei­che über­haupt her­aus­kris­tal­li­sie­ren kann.

Wie bedeu­tend diese Hal­tung ist, betont Noam Cho­men­sky, als er zur freien Mei­nungs­äu­ße­rung gefragt wird:

Dies­be­züg­lich kann man zwei Posi­tio­nen ein­neh­men. Einer­seits die Posi­tion von Sta­lin und Hit­ler. Das bedeu­tet, man ist für freie Mei­nungs­äu­ße­rung, sofern man die geäu­ßerte Mei­nung gut heißt. Ande­rer­seits die Posi­tion der Auf­klä­rung, das bedeu­tet: Die freie Mei­nungs­äu­ße­rung gilt gerade für Mei­nun­gen, die man ablehnt. Und es gibt nichts dazwi­schen. .. Ob ich wirk­lich für freie Mei­nungs­äu­ße­rung bin, zeigt sich erst, wenn ich sie auch hoch­halte bei Ansich­ten, die ich ablehne. .. Das heißt jeder kann seine Mei­nung frei äußern und in der Inter­ak­tion zeigt sich die Wahr­heit. Diese kann sich nur zei­gen, wenn man seine Ansich­ten frei äußern kann.

Machen Sie es anders!

Stel­len Sie also Sicht­wei­sen infrage, neh­men Sie unter­schied­li­che Stand­punkte ein. Tie­fere Zusam­men­hänge wer­den sicht­bar, ein umfas­sen­de­res Ver­ständ­nis ent­wi­ckelt sich. 

Span­nende Geschäfts­ideen, neue Pro­dukte, Erfin­dun­gen und Inno­va­tio­nen, Wei­ter­ent­wick­lung und Fort­schritt  – ohne diese Hal­tung nicht möglich.

Auch ein glück­li­ches Leben heißt, sich selbst – also Wahr­­neh­­mungs- und Bewer­tungs­mus­ter und das eigene Han­deln – immer wie­der zu hin­ter­fra­gen, damit sich Per­spek­ti­ven und Alter­na­ti­ven ent­wi­ckeln kön­nen. Es bedeu­tet, sich selbst in den Fokus zu neh­men und sich zu fra­gen, was mich auf grund­sätz­li­che Weise begrenzt. Ein Leben mit die­ser Grund­hal­tung eröff­net sehr viele Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten und gibt ihm ei­nen tie­fe­ren Sinn.

Menü